Ein großer Künstler geht. Und bleibt. - David Hockney ist tot.
Wenn du einen Mann liebst, siehst du ihn anders als alle anderen. Du erkennst ihn an einer Bewegung, an seinen Schultern, daran, wie er aus dem Wasser steigt. David Hockney hat aus diesem Blick Kunst gemacht. Er malte Männer, die ihn anzogen, Männer, mit denen er lebte, Männer, deren Nähe ihm fehlte. Mit seinem Tod 2026 verlieren wir einen Künstler, bei dem schwule Liebe zum Werk gehört, vom frühen Liebesbild bis zum großen Porträt.
Ein Junge aus Bradford, der Männer liebte
Hockney wurde am 9. Juli 1937 in Bradford im englischen Yorkshire geboren. 1959 ging er an das Royal College of Art in London. Dort begann er, sein eigenes Begehren zum Thema zu machen. Sexuelle Handlungen zwischen Männern wurden in England damals noch strafrechtlich verfolgt. Seine Liebesbilder entstanden mitten in dieser Wirklichkeit.
Er las Walt Whitman, den amerikanischen Dichter, dessen Verse auch von inniger Nähe zwischen Männern erzählen. „We Two Boys Together Clinging“ von 1961 nimmt schon im Titel diese Nähe auf: zwei junge Männer, die sich aneinander festhalten. Hockney musste dafür keine antiken Helden vorschieben. Männerliebe konnte das Thema eines gegenwärtigen Bildes sein.
Das ist für uns heute leicht zu übersehen. Wir kennen Hockney als berühmten Künstler. Der junge Maler wusste noch nicht, welchen Platz seine Bilder später bekommen würden. Er malte trotzdem, was ihn beschäftigte. Seine Wünsche gehörten auf die Leinwand.
Los Angeles: Sonne, Pools und Männerkörper
1964 reiste Hockney zum ersten Mal nach Los Angeles. Das kalifornische Licht, die Häuser und die Swimmingpools wurden zu einer neuen Bildwelt. Er begegnete dort auch dem Schriftsteller Christopher Isherwood und dessen Partner, dem Maler Don Bachardy. Männer, die mit Männern lebten, waren Teil seines Umfelds und seiner Kunst.
Die Beschäftigung mit Duschen und häuslichen Szenen hatte schon vorher begonnen. „Domestic Scene, Los Angeles“ entstand 1963, noch vor seiner ersten Reise dorthin. Los Angeles war zunächst auch eine Vorstellung, ein Ort, den er sich malend näherholte. Später kamen die eigenen Erfahrungen hinzu.
Für uns sind diese Motive so anziehend, weil sie dem Männerkörper ein alltägliches Leben geben. Ein Mann ist nicht nur ein Aktmodell. Er badet, wohnt, ruht sich aus, verbringt Zeit mit einem anderen Mann. Begehren und Vertrautheit gehören in dieselbe Welt.
Hockney beschäftigte sich zugleich ganz genau mit dem Malen: Wie zeigt man Wasser, seine Bewegung, seine Spiegelungen? Wie wird Licht zur Farbe? „A Bigger Splash“ von 1967 gehört zu dieser Auseinandersetzung. Schwule Bildwelten und malerische Fragen stehen bei ihm nicht in Konkurrenz. Gerade ihre Verbindung macht sein Werk interessant.
Peter: den geliebten Mann ansehen
Im Sommer 1966 lernte Hockney in Los Angeles Peter Schlesinger kennen. Peter wurde sein Liebhaber und eines seiner wichtigsten Modelle. Aus der Beziehung entstanden Bilder, in denen persönliches Leben und künstlerische Arbeit eng zusammenliegen.
Einen geliebten Mann zu malen bedeutet auch, ihm Aufmerksamkeit zu schenken. Nicht irgendeinem schönen Körper, sondern diesem Menschen. Du kennst seine Haltung, seine Gewohnheiten, die kleinen Veränderungen seines Gesichts. Und du siehst ihn trotzdem immer wieder neu. Hockneys Porträts lassen sich aus dieser Nähe heraus betrachten.
Die Beziehung endete 1971. In seiner Arbeit beschäftigte sich Hockney danach auch mit Abwesenheit. 1972 entstand „Portrait of an Artist (Pool with Two Figures)“. Die offizielle Chronologie benennt die beiden Männer: Peter Schlesinger am Rand des Pools und John St Clair, der unter Wasser schwimmt.
Die Trennung gehört zur Entstehungszeit dieses Bildes. Sie legt aber nicht jede Bedeutung fest. Gerade darin liegt die Stärke eines solchen Werks: Eine persönliche Erfahrung wird zur Malerei, und du kannst mit deiner eigenen Erfahrung davorstehen. Mit Liebe, Sehnsucht oder der Erinnerung an einen Mann, der dir noch immer viel bedeutet.
Warum Hockney für uns wichtig bleibt
Bei Hockney bekommt schwules Begehren die Aufmerksamkeit eines großen Malers. Er schaut genau hin. Ein Liebhaber, ein Freund, ein gemeinsamer Raum werden bildwürdig, weil sie zu seinem Leben gehören. Diese Selbstverständlichkeit berührt uns.
Sein Werk ist größer als ein einziges Thema. Dazu gehören auch Landschaften, Bühnenbilder, Fotografien und digitale Zeichnungen. Doch seine Liebe zu Männern ist kein nebensächlicher biografischer Hinweis. Sie gehört zu den Beziehungen, aus denen wichtige Bilder entstanden sind. Wer sie aus der Betrachtung entfernt, verliert einen Teil dessen, was diese Kunst ausmacht.
Und Hockney blieb neugierig. Er wechselte Werkzeuge, erprobte andere Sichtweisen und zeichnete später auch auf dem iPad. 2020, während der Pandemie, gab er einer Frühlingsbotschaft einen Satz mit, der bis heute gut zu dieser Lust am Weitersehen passt.
„Do remember they can’t cancel the spring.“
David Hockney„Denkt daran: Den Frühling können sie nicht absagen.“
Der Satz galt dem Frühling. Wir müssen daraus keine andere Botschaft machen. Er erinnert an einen Künstler, der noch etwas sehen, noch etwas zeichnen wollte. An Aufmerksamkeit für das Leben, auch unter schwierigen Umständen.
Hommage David Hockney im GAY ART SHOP
Dieser Blick auf Männer und ihre Beziehungen ist uns nah. Ein Körper am Pool, die Vertrautheit unter einer Dusche, die Liebe zwischen zwei Männern: Daraus kann Kunst entstehen, die dich ganz persönlich anspricht. Genau hier liegt die Verbindung zu GAY ART SHOP.
Hockney steht bei uns nicht nur neben anderen Künstlern unter „Große Meister“. Schon zu Lebzeiten haben wir ihm eine eigene Kategorie in unserem GAY ART SHOP gewidmet: Hommage David Hockney. Sie hebt seine Bedeutung für unsere Bildideen gesondert hervor.
Die dort vorgestellten Wandbilder sind eigenständige, von Hockney inspirierte Gestaltungen. Keine Originalwerke von ihm und keine Reproduktionen seiner Gemälde. Die Hommage nimmt seine Bildwelt zum Ausgangspunkt für heutige schwule Kunst.
Vielleicht ist es das Licht am Pool, das dich zu diesen Bildern zieht. Vielleicht ein Männerkörper oder eine Nähe, die du kennst. Entdecke unsere Hommage an David Hockney. Und schau, bei welchem Bild du bleiben möchtest.
Quellen: Offizielle Website von David Hockney, illustrierte Chronologie, Werkübersicht der 1960er-Jahre, Werkübersicht der 1970er-Jahre und Pressespiegel mit dem Frühlingszitat vom März 2020.
