Rimming – Lust, Tabu und was du wirklich wissen musst
Arschlecken. Rimming. Anilingus. Nenn es wie du willst – es gehört zur schwulen Sexualität so selbstverständlich wie jede andere Praktik. Und trotzdem wird kaum offen darüber geredet. Dieser Text macht das anders: direkt, informiert, ohne Moralisieren.
Woher kommt die Lust am Rimming?
Der Anus ist eines der sensibelsten Körperareale überhaupt. Tausende Nervenenden, enger Kontakt mit dem Damm, direkte Nähe zur Prostata – die physiologische Basis für intensive Empfindungen ist eindeutig. Wer beim Rimming gibt oder empfängt, spielt mit einer erogenen Zone, die in der offiziellen Sexualaufklärung kaum vorkommt – aber in der gelebten Sexualität schwuler Männer einen festen Platz hat.
Die psychologische Dimension ist mindestens genauso stark. Rimming ist radikal intim. Der Gebende öffnet sich, macht sich verletzlich. Der Nehmende übernimmt Kontrolle oder gibt sie ab – je nach Dynamik. Es geht um Vertrauen, Hingabe, Körperlichkeit ohne Filter. Das ist kein Zufall: genau diese Intensität ist es, die Rimming für viele schwule Männer zu einem zentralen Teil von Sex macht.
Wie verbreitet ist Rimming unter schwulen Männern?
Sehr. Studien zur schwulen Sexualität zeigen konsistent, dass Anilingus zu den häufig praktizierten Sexualpraktiken gehört – häufiger als in heterosexuellen Kontexten, wo das Thema länger tabuisiert war. Das hat nichts mit Perversion zu tun, sondern mit einer offeneren Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper, die schwule Männer oft früher und intensiver durchlaufen als andere.
Pornografie: hat sie Rimming erfunden oder nur sichtbar gemacht?
Beides – aber die Reihenfolge ist klar. Die Lust existierte zuerst. Pornografie hat sie normalisiert, beschleunigt, in bestimmte Ästhetiken gegossen. Was sie zweifellos getan hat: Rimming aus dem Bereich des Unsagbaren in den Bereich des Selbstverständlichen verschoben. Für viele schwule Männer war Porn der erste Ort, an dem sie sahen, dass andere Männer das auch wollen. Das ist keine Kleinigkeit.
Gesundheitsrisiken – die ehrliche Version
Rimming ist nicht risikolos. Wer das behauptet, lügt. Die wichtigsten Übertragungsrisiken:
Bakteriell: E. coli und andere Darmbakterien können bei oralem Analverkehr übertragen werden und zu Magen-Darm-Infektionen führen – von leichtem Unwohlsein bis zu ernsthaften Infektionen.
Sexuell übertragbare Infektionen: Gonorrhö (auch im Rachenraum), Chlamydien, Herpes simplex, HPV und Syphilis können durch Rimming übertragen werden. Das Risiko ist real, auch ohne Penetration.
Hepatitis A: Wird fäkal-oral übertragen – Rimming ist ein direkter Übertragungsweg. Es gibt eine Impfung. Wenn du sie noch nicht hast, hol sie nach. Das ist die einfachste Risikoreduktion überhaupt.
Hepatitis B: Ebenfalls impfbar. Ebenfalls übertragbar. Ebenfalls: impfen lassen.
Parasiten: Giardia, Amöben und andere Darmparasiten können durch Rimming übertragen werden – besonders relevant bei wechselnden Partnern.
Lecktücher (Dental Dams) – unterschätzt und untergenutzt
Dental Dams sind dünne Latexfolien, die als Barriere zwischen Mund und Anus gelegt werden. In der Theorie ideal. In der Praxis: kaum jemand nutzt sie, weil sie das Erlebnis stark reduzieren und schwer erhältlich sind.
Alternativen die tatsächlich genutzt werden:
Kondom aufgeschnitten: Ein aufgeschnittenes Kondom ergibt eine flexible Latexbarriere – funktioniert, kostet nichts extra, ist überall erhältlich.
Frischhaltefolie: Wird in der Praxis genutzt, ist aber keine offiziell empfohlene Methode – die Porenstruktur bietet keinen zuverlässigen Schutz gegen Viren.
Ehrliche Einschätzung: Wer regelmäßig rimmt, sollte das Risiko kennen und mit Barriere arbeiten – besonders bei neuen oder wechselnden Partnern. Bei festen Partnern mit bekanntem Gesundheitsstatus ist die individuelle Risikoabwägung eine persönliche Entscheidung.
Vorbereitung – was hilft wirklich
Duschen: Gründliche äußere Reinigung des Analbereichs reduziert bakterielle Belastung und ist das Minimum vor Rimming.
Darmspülung (Douching): Viele schwule Männer spülen vor Analsex auch beim Rimming. Das reduziert das Risiko fäkaler Kontamination, ist aber kein vollständiger Schutz gegen STIs (Sexually Transmitted Infection – sexuell übertragbare Infektion) oder Bakterien.
Regelmäßige STI-Tests: Wer aktiv ist, sollte alle 3 Monate testen – inklusive Rachenabstrich, der bei vielen Standardtests fehlt. Explizit danach fragen.
Impfungen: Hepatitis A, Hepatitis B, HPV. Alle drei sind verfügbar, alle drei sind sinnvoll.
Rimming und PrEP – was viele nicht wissen
PrEP schützt vor HIV-Übertragung durch Analverkehr – nicht vor den anderen STIs, die beim Rimming relevant sind. Wer PrEP nimmt, ist für HIV gut geschützt, braucht aber trotzdem regelmäßige Tests auf Gonorrhö, Chlamydien, Syphilis und Hepatitis.
Fazit
Rimming ist intensiv, intim und für viele schwule Männer ein selbstverständlicher Teil von Sex. Die Risiken sind real – aber handhabbar, wenn man sie kennt. Impfen. Testen. Kommunizieren. Den Rest entscheidest du selbst.
Und wer sich fragt, warum ein Gay Art Shop über Rimming schreibt: weil schwule Männer Kunst kaufen, die ihr Leben zeigt – und weil ein Shop, der schwule Erotik an die Wand bringt, auch über schwule Sexualität reden kann - und muss, ohne die Augen zu verdrehen.
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